5 Schritte für eine weniger schmerzhafte Scheidung
Eine Scheidung ist selten einfach, denn sie hat grosse finanzielle und emotionale Tragweite. Mit unseren fünf Tipps meistern Sie die Auflösung Ihrer Partnerschaft besser.
Scheidung. Dieses Wort hatten Sie nicht im Sinn, als Sie sich das Jawort gaben. Und doch müssen Sie sich nun mit dem Gedanken auseinandersetzen, Ihre Ehe zu beenden.
Ob Sie damit gerechnet haben oder nicht, stehen Sie vor einer Reihe weitreichender Entscheidungen. Vermutlich scheint keine der Optionen wirklich gut. Dennoch kann praktisch jede Entscheidung erhebliche finanzielle, rechtliche und persönliche Folgen haben – für Sie, für die Person, von der Sie geschieden werden, und für allfällige Kinder, unabhängig von deren Alter. Viele Entscheidungen wirken sich zudem auf das familiäre Umfeld sowie den Bekannten- und Freundeskreis aus.
Wie lässt sich dieses potenzielle Minenfeld mit möglichst geringem Kollateralschaden durchqueren? Wie schützen Sie sich vor unnötigen Konflikten? Und ganz grundsätzlich: Wie geht es von hier aus weiter?
Dieser Fahrplan begleitet Sie Schritt für Schritt durch die schwierige Zeit, die vor Ihnen liegt:
1. Klären Sie, was Sie wirklich wollen
Das klingt einfach. Trotzdem gehen die meisten Menschen mit dem Ziel in die Scheidung, das zu erhalten, was «fair» ist – ohne zuvor sorgfältig abzuwägen, was sie wollen, was sie nicht wollen und was sie tatsächlich brauchen.
Mit dieser Übung schaffen Sie Klarheit darüber, was Sie wirklich wollen. Teilen Sie ein Blatt in drei Spalten und beschriften Sie diese oben mit «Notwendig», «Wünschenswert» und «Loslassen». Tragen Sie anschliessend in jede Spalte entsprechende Punkte ein. Fragen Sie sich dabei schonungslos ehrlich, was Sie wirklich brauchen und wollen. Die Übersicht dient Ihnen zudem als anschauliche Stütze, um in den Verhandlungen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin auf Kurs zu bleiben.
Auch wenn es auf den ersten Blick widersinnig erscheint, ist es ebenso wichtig zu bedenken, was die andere Person wirklich will – und warum. Je besser Sie und Ihre Rechtsvertretung nachvollziehen können, was das Gegenüber antreibt, desto fundierter können Sie entscheiden, was Sie fordern, wofür Sie kämpfen und worauf Sie verzichten können.
2. Begreifen Sie: Jetzt zählt die Sachebene
Mit der Heirat sind Sie einen rechtlichen Vertrag eingegangen. Gewiss spielten dabei Gefühle eine Rolle, doch an jenem Tag haben Sie auch einen verbindlichen Vertrag unterzeichnet. Nun leiten Sie ein Gerichtsverfahren ein, um diesen Vertrag aufzulösen.
Eine Scheidung ist jedoch mehr als ein Gerichtsverfahren: Sie richtet sich gegen einen Menschen, den Sie einst geliebt haben und vielleicht noch immer lieben. Wichtig ist, die geschäftliche Seite des Verfahrens im Blick zu behalten und Ihre Emotionen so gut wie möglich im Griff zu haben. Es ist zwar entscheidend, Gefühle zuzulassen und sie zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Menschen zu verarbeiten. Sie müssen sich jedoch vor Augen halten, dass es hier um die gesetzlich geregelte Aufteilung des ehelichen Vermögens und der gemeinsamen Verpflichtungen geht.
Das Scheidungsrecht unterscheidet sich von Rechtsordnung zu Rechtsordnung. Lassen Sie sich von Ihrem Rechtsteam über Ihre Rechte aufklären, und seien Sie darauf gefasst, dass sich nicht immer alles «fair» anfühlt. Wenn Sie die Rechtslage kennen, können Sie Vergleichsverhandlungen auf Ihre wichtigsten Prioritäten in der Scheidung ausrichten und dabei Ihre Würde wahren.
3. Kennen Sie Ihre Zahlen
Sichten Sie Ihre Steuererklärungen und Finanzunterlagen zu sämtlichen Vermögenswerten, die Ihnen, der anderen Seite oder Ihnen beiden gemeinsam gehören, um besser zu verstehen, wo Sie heute stehen. Halten Sie schriftlich fest, welche Vermögenswerte Ihnen bekannt sind und wo Ihnen Informationen fehlen. Beginnen Sie zudem, Ihre Ausgaben zu erfassen. Und sorgen Sie dafür, dass Sie weiterhin Zugang zu Geld haben, etwa auf gemeinsamen Bankkonten.
Bevor Sie ein Erstgespräch mit einer Rechtsvertretung führen, ordnen Sie möglichst viele der Finanzunterlagen, auf die Sie Zugriff haben. So nutzen Sie die gemeinsame Zeit optimal. Irgendwann benötigen Sie voraussichtlich eine Vermögensoffenlegung (in England und Wales ist das «Form E»), die vom Gericht häufig verlangt wird. Ihre Rechtsvertretung unterstützt Sie beim Ausfüllen. Umso wichtiger ist es, möglichst genaue Angaben zu machen und zu dokumentieren, woher Sie die Zahlen haben. Falls Sie keinen Zugriff haben, kann Ihre Rechtsvertretung klären, wie sich die Informationen am besten für Sie beschaffen lassen.
4. Stellen Sie Ihr «Empowerment»-Team zusammen
Ihre Freunde und Ihre Familie meinen es gut mit Ihnen. Doch selbst wohlmeinende Ratschläge können Verwirrung und unnötigen Stress auslösen. und sich sogar als falsch erweisen. Sie treffen die schwierigsten und wichtigsten finanziellen Entscheidungen Ihres Lebens in einer emotional turbulenten Zeit. Die Unterstützung eines professionellen Teams ist deshalb entscheidend, damit Sie diese Phase aus einer Position der Stärke statt der Schwäche bewältigen.
Arbeiten Sie mit einer Fachperson für Familienrecht zusammen, die Sie bei der Wahl des passenden Wegs unterstützt: Mediation, kooperatives Anwaltsverfahren oder klassisches Gerichtsverfahren. Jeder Weg hat Vor- und Nachteile. Wer die Variante wählt, die den besonderen Interessen der Familie am besten entspricht, kann Zeitaufwand, Kosten und Konfliktpotenzial verringern.
Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, Fachleute beizuziehen, etwa einen Vermögensberater von Corient, der Sie durch die finanziellen und steuerlichen Aspekte der Scheidung begleitet. Falls Sie noch keine Rechtsvertretung beauftragt haben, hilft Ihnen Ihr Corient Team gerne, die passende Wahl zu treffen. Zusätzlich können Sie ein Scheidungscoaching in Anspruch nehmen, das Sie in emotionaler und psychologischer Hinsicht unterstützt.
Zu den Kosten einer Scheidung zählen neben den Rechtskosten und Fachhonoraren auch Ihr Zeit- und Arbeitsaufwand. Es mag verlockend sein, möglichst viel selbst zu erledigen. Am Ende ist es jedoch oft effizienter, sich von einem starken Fachteam unterstützen zu lassen.
5. Denken Sie daran: Sie schreiben Ihr nächstes Kapitel
Lassen Sie nicht zu, dass Emotionen und Erschöpfung Sie zu einer schlechten Vereinbarung verleiten. Sobald Sie sich geeinigt haben, bedenken Sie: Eine Vereinbarung ist nur so gut, wie sie rechtlich durchsetzbar ist. Zahlreiche organisatorische Schritte stehen an, etwa die Anpassung der Eigentumsverhältnisse bei Vermögenswerten und die Entlassung aus der Haftung für gemeinsame Verbindlichkeiten. Unerlässlich ist, die Vereinbarung nicht nur zu unterzeichnen, sondern auch praktisch umzusetzen.
So schwierig es auch sein mag, blicken Sie nach vorn statt in den Rückspiegel. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass die Entscheidungen von heute das Fundament Ihrer Zukunft bilden. Achten Sie auf sich, bleiben Sie zuversichtlich und versuchen Sie, für alle Möglichkeiten offen zu sein. Konzentrieren Sie sich auf die geschäftlichen und finanziellen Fragen, ohne die emotionale und seelische Belastung aus den Augen zu verlieren. Ob Ihre Ehe im Guten endet oder nicht: Sie haben es in der Hand, Ihre Emotionen zu steuern und Prioritäten so zu setzen, dass zumindest die Scheidung und die Zusammenarbeit als Eltern einvernehmlich verlaufen können. Jeder Schritt, den Sie vorausschauend unternehmen – und jeder Fehltritt, den Sie vermeiden –, bringt Sie der Zukunft näher, die Sie gestalten möchten.
ÜBER DEN AUTOR
Heather Locus
Heather ist Partnerin und Vermögensberaterin in unserem Büro in Itasca, IL. Heather gründete das Women’s Service Team und leitet die Divorce Practice Group. Sie liebt es, komplexe Probleme zu lösen, indem sie finanzielle und emotionale Komponenten mit steuerlichen und rechtlichen Fragen in Einklang bringt. Heather informiert darüber, wie man mit Zuversicht und Klarheit durch neue Lebensphasen übergeht. Sie ist Autorin von The Next Chapter: Eine praktische Roadmap, um eine Scheidung zu bewältigen – und darüber hinaus, und Sie können ihre neuesten Scheidungstipps auf Forbes.com lesen. Heather kam 1998 zum Traditionsunternehmen BDF und wurde bald eine der ersten nichtgründenden Partnerinnen des Unternehmens.
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