Die Governance-Lücke: Warum wohlhabende Familien eine Familienverfassung in Betracht ziehen sollten
Eine Familienverfassung zu haben, klingt anspruchsvoll, kann aber Vermögen schützen – vor allem bei einem Familienunternehmen. Erfahren Sie, warum sie für Sie gut sein könnte.
Wer Unternehmer ist oder Erfahrung in der Führung eines Unternehmens hat, kennt das Konzept der Governance. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ein formelles Regelwerk aus Vorschriften, Verfahren und Prozessen, mit denen Unternehmen die verschiedenen Aspekte ihrer Tätigkeit steuern. Eine gute Corporate Governance sorgt dafür, dass alle im Unternehmen – von den Eigentümern und der obersten Führungsebene bis hin zu den Mitarbeitenden – an einem Strang ziehen, und schafft Klarheit und Verantwortlichkeit hinsichtlich der Aufgaben jedes Einzelnen.
Bei Familienunternehmen gewinnt Governance mit zunehmendem Wachstum und steigendem Wert an Bedeutung, um Missverständnisse und potenziell schädliche Fehltritte zu vermeiden. Sehr vermögende Unternehmerfamilien sehen sich mit zahlreichen komplexen Situationen konfrontiert, die die finanzielle Zukunft ihres Unternehmens erheblich beeinträchtigen können, wenn sie nicht rechtzeitig und richtig angegangen werden.
Die Familienverfassung
Um proaktiv zu handeln, können Eigentümer von Familienunternehmen die Ausarbeitung und Einhaltung einer Familienverfassung in Erwägung ziehen, sprich: eines formellen Dokuments, das als Rahmen dafür dient, wie sich Familienmitglieder im Unternehmen verhalten und miteinander umgehen sollen. Sie kann die Werte einer Familie, ihr Governance-Verständnis, die Entscheidungsfindungsprozesse, Fragen der Nachfolge und vieles mehr widerspiegeln.
Sie ist auch für Familien nützlich, die anspruchsvolle Bedürfnisse in der Vermögensverwaltung haben und über gemeinsame Vermögenswerte von finanzieller Bedeutung verfügen, die über ein Unternehmen hinausgehen, wie etwa Immobilien oder andere bedeutende Anlagen. In diesem Blogbeitrag konzentrieren wir uns auf Familienunternehmen.
Eine gut ausgearbeitete Familienverfassung soll das gegenseitige Verständnis und gemeinsame Ziele fördern, Meinungsverschiedenheiten reduzieren und den familiären Zusammenhalt stärken, damit ein Unternehmen reibungslos funktionieren und gedeihen kann. Auch wenn eine Verfassung nicht für jede Familie geeignet ist, lohnt es sich, sie im Rahmen eines offenen Dialogs und eines Prozesses der gemeinsamen Reflexion in Betracht zu ziehen. Im weiteren Gespräch stellt sich dann oft heraus, dass eine Verfassung den eigenen Bedürfnissen durchaus entspricht.
Zu klärende Fragen
Überlegen Sie bei der Erarbeitung Ihrer eigenen Familienverfassung gemeinsam als Gruppe, wie Sie die folgenden Fragen beantworten würden.1 Denn eine Verfassung ist eine Initiative der gesamten Familie und kein Instrument, mit dem das Familienoberhaupt seinen Willen «aus dem Grab heraus» durchsetzen kann. Achten Sie darauf, dass jeder die Möglichkeit hat, seine Meinung zu äussern und zur endgültigen Vereinbarung beizutragen. Das zollt allen Mitgliedern Respekt und erleichtert es, einen Konsens zu erzielen.
- Woher kommen wir?
- Wo stehen wir heute?
- Wohin wollen wir?
- Was sind unsere Leitprinzipien?
- Sollte sich das Unternehmen stets im Besitz der Familie befinden?
- Kann die Familie ihre Beteiligung am Unternehmen abgeben, und wenn ja, zu welchen Bedingungen?
- Welche Kriterien sollten für die Beschäftigung von Familienmitgliedern im Unternehmen gelten?
- Wie treffen wir Entscheidungen?
- Wer sollte die Führung übernehmen?
- Sollte diese Führung rotieren?
- Wie oft sollten wir die Nachfolge besprechen?
- Sollte es einen Familienrat geben?
- Sollte es damit verbundene Regelungen geben, und wenn ja, welche?
Falls es weitere, für Ihr Familienunternehmen spezifische Themen gibt, die Sie ansprechen möchten, fügen Sie diese der obigen Liste hinzu. Ihre Familienverfassung formalisiert nicht nur die gemeinsame Vision für die Zukunft des Unternehmens, sondern dient auch als Leitfaden dafür, wie Sie diese gemeinsame Vision in die Realität umsetzen wollen. Die Verfassung trägt dazu bei, Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären, und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl, da sich alle an der Erstellung des Dokuments beteiligen und einbringen.
Eine Familienverfassung ist ein zentrales Instrument des Risikomanagements: Durch eine starke Ausrichtung aller Beteiligten hilft sie, Konflikte zu vermeiden (oder zumindest zu minimieren), die der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens schaden könnten. Deshalb setzen viele erfolgreiche Familien eine Familienverfassung ein, um ihr gemeinsames Vermögen zu schützen und zu vermehren.
Corient unterstützt Sie gerne
Wenn Ihr Unternehmen (oder die bedeutenden Anlagen Ihrer Familie) von einer formellen Familienverfassung profitieren könnte, unterstützt Corient Sie gerne dabei. Wir verfügen über Erfahrung darin, Familien bei der Dokumentation und Feinabstimmung sämtlicher Aspekte ihres Kapitals zu begleiten.
Neben den offensichtlichen finanziellen Aspekten unterstützen wir Sie dabei, Themen rund um das breiter gefasste Human-, Sozial- und intellektuelle Kapital wirksam zu strukturieren und zu formulieren. Zudem haben wir festgestellt, dass viele Menschen einen unabhängigen und unvoreingenommenen Berater bevorzugen, der die Familie unterstützt und wichtige, aber anspruchsvolle Gespräche erleichtert.
Wenden Sie sich an einen Corient-Vermögensberater, um mehr darüber zu erfahren, wie wir dazu beitragen können, das Vermögen, die Beziehungen, den Zweck und das Vermächtnis Ihrer Familie zu schützen.
1 https://www.step.org/press-office/what-family-constitution-and-why-do-we-need-one
ÜBER DEN AUTOR
Matthew Fleming
Matthew ist Partner und Head of Governance & Succession bei Corient. Er ist dafür verantwortlich, Kunden bei der Entwicklung und Umsetzung von Plänen zur Weitergabe ihres Erbes an nachfolgende Generationen zu unterstützen. Matthews Erfahrung umfasst Positionen bei Stonehage Fleming, Fleming Media, Ian Fleming Publications und James Bond Enterprises sowie als professioneller Cricketspieler und ehemaliger Armeeoffizier. Matthew besuchte Eton und war Vorsitzender von AGL Comms, Direktor des Norfolk and Norwich Hospital, Direktor des England and Wales Cricket Board und Präsident des Marylebone Cricket Club.
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